UniCredit Bank Austria Branchenüberblick: Branchenklima im Frühjahr 2021 ist aufgeklart, vielfach bereits sonnig

  • Industrie ist großteils wieder auf Wachstumskurs
  • Auch der Bau wächst fast ungebremst und berichtet eine überdurchschnittlich hohe Kapazitätsauslastung
  • Angebotsengpässe bei Rohstoffen und die starke Nachfrage nach Vorprodukten sorgen für hohe Kostensteigerungen in der Produktion
    • Der Stahlpreis z.B. war im März 2021 um 30 Prozent höher als ein Jahr zuvor
  • Der Autohandel gewinnt an Fahrt, das Einzelhandelsklima bleibt noch trüb
  • Branchenklima im Dienstleistungssektor klart weiter auf, Nachfrageerwartungen liegen bei produktionsnahen Sparten bereits im Wachstumsbereich

Österreichs Wirtschaft kann sich trotz weiterer pandemiebedingter Einschränkungen rascher regenerieren als noch im Herbst angenommen. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung 2020 von 5,4 Prozent nominell beziehungsweise von 19,4 Milliarden Euro wird 2021 zwar nicht vollständig aufgeholt werden. Allerdings sollten schon 2022 alle größeren Branchen das Vorkrisenniveau wieder erreicht haben.

„Das Branchenklima hat sich im April 2021 in den wichtigsten Sektoren und Branchen aufgeklart oder ist bereits sonnig. Der aktuelle Branchenüberblick der UniCredit Bank Austria zeigt, dass 2021 wesentliche Wachstumsimpulse von der Industrie kommen“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf. In der Industrie lagen die Produktionserwartungen wie die Beurteilungen der Auftragslage der Unternehmen im April überwiegend im Wachstumsbereich. Auch die Bauwirtschaft berichtet seit Ende 2020 zunehmende Auftragseingänge und bereits überdurchschnittlich hohe Kapazitätsauslastungen. Im Dienstleistungssektor sorgten zumindest die Sparten, die ihre Aufträge im Wesentlichen vom Produktionssektor erhalten, für die Aufklarung des Branchenklimas. Lediglich im Sektor Handel überwiegen die pessimistischen Geschäftserwartungen der konsumnahen Sparten, die auch erst frühestens 2022 ihr Vorkrisenniveau wieder erreichen werden. Für die Ermittlung des Branchenklima-Indikators werden die Entwicklung der Produktion und Umsätze bis Februar 2021 den Konjunkturbefragungsergebnissen vom April 2021 gegenübergestellt.

Industrie als Wachstumsmotor

Derzeit kommen die stärksten Wachstumsimpulse aus der Industrie von der Stahlerzeugung, der Metallverarbeitung und dem Maschinenbau. Die Branchen werden ebenso wie die Elektroindustrie noch 2021 von den geplanten Investitionsprogrammen zur Abfederung der Krisenfolgen profitieren. Darüber hinaus sorgt die lebhafte Baukonjuktur für eine erheblich bessere Auftragslage bei den baunahen Bereichen, wozu auch die Kunststoffverarbeiter zählen. Voraussichtlich können die Branchen 2021 mit Produktionszuwächsen von wenigstens 6 Prozent bis über 10 Prozent in der Stahlerzeugung und im Maschinenbau rechnen. Da beide Branchen im Vorjahr aber überdurchschnittlich hohe Produktionseinbußen von durchschnittlich 15 Prozent verbuchten, werden sie erst 2022 das Vorkrisenniveau wieder erreichen.

Infolge der starken Nachfrage nach Vorprodukten kommt es in der Industrie zum Teil schon zu Angebotsengpässen und hohen Preiszuwächsen. Beispielsweise wurde Stahl im österreichischen Großhandel im März 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 30 Prozent teurer, Holz und Holzprodukte noch um knapp 10 Prozent. Die Erzeugerpreise der Rohstoffkunden folgen dem Kostenanstieg langsam. Im April erwarteten die Unternehmen der Stahlindustrie, aber auch der Metallverarbeitung bereits Preissteigerungen in ähnlich hohem Ausmaß wie zuletzt im Frühjahr 2011, im Maschinenbau zumindest wie Anfang 2019.

In der Lebensmittel- und Getränkeerzeugung ist das Branchenklima im April aufgeklart. Der Anteil optimistischer Produktionserwartungen lag bei beiden Branchen per Saldo im Wachstumsbereich. Allerdings beurteilte noch die Mehrzahl der Unternehmen ihre Auftragslage zu niedrig, ein Hinweis, dass der Bereich erst nach der Aufhebung der pandemiebedingten Einschränkungen stärker an Schwung gewinnt. Die Lebensmittelerzeugung wird das Produktionsminus von 3,2 Prozent 2020 noch 2021 vollständig aufholen können. Hingegen wird die Getränkeerzeugung, die deutlich stärker vom Lockdown im In- und Ausland betroffen war, wahrscheinlich bis 2022 brauchen, um das Vorjahresminus von 10,3 Prozent wettzumachen.

Auch die Elektroindustrie wird ihre relativ geringen Produktionseinbußen von 2 Prozent 2021 ausgleichen können. Im April lagen alle Stimmungsindikatoren im Plus. Die Branche profitiert vom unverändert zunehmenden Bedarf an Informationstechnik ebenso wie von den zu erwartenden öffentlichen Investitionsprogrammen, die unter anderem auf den Ausbau der digitalen Netze und auf Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz abzielen. Im Vergleich dazu hat sich die Fahrzeugkonjunktur im April 2021 noch nicht gefestigt: Die Mehrzahl der Unternehmen rechnet zwar noch im zweiten Quartal wieder mit Produktionszuwächsen, blieb aber in der Beurteilung der Auftragslage in den letzten Monaten unsicher. Voraussichtlich kann die Fahrzeugindustrie das hohe Produktionsminus von 16 Prozent im Vorjahr frühestens 2022 ausgleichen.

Im April wurden die Produktionserwartungen in den größeren Industriebranchen nur in der Chemieindustrie vorsichtiger und kündigen hier eine Konjunkturabkühlung in den nächsten Monaten an. Die Entwicklung muss aber vor dem Hintergrund des bemerkenswert hohen Produktionsplus der Branche von 11 Prozent 2020 gesehen werden.

Bau wächst fast ungebremst

Die Bauwirtschaft beendete das Jahr 2020 mit einem geringen Umsatzminus von 2,2 Prozent nominell, das im laufenden Jahr zur Gänze ausgeglichen werden kann. Bereits im vierten Quartal 2020 lag die Kapazitätsauslastung mit 6,9 Monaten weit über dem langjährigen Durchschnitt von 6 Monaten. Die Auslastung der Bauwirtschaft hat sich bis ins zweite Quartal 2021 kaum verringert. Überdurchschnittlich starke Zuwächse werden vor allem im Wohnungsneubau und mit Wohnbausanierungen erzielt. Noch 2020 wurden rund 75.000 neue Wohnungen bewilligt (im Durchschnitt der letzten zehn Jahre waren es 66.000 Einheiten). Zudem wird die Nachfrage nach Tiefbauleistungen 2021 von höheren Investitionen im Verkehrs- und Energiebereich gestützt. Lediglich dem Wirtschaftsbau fehlen die Aufträge für neue Büro- und Einzelhandelsbauten, der Spartenumsatz wird voraussichtlich erst 2023 wieder das Niveau von 2019 erreichen.

Die lebhafte Bautätigkeit spiegelte sich schon 2020 in den Baupreisen, die im Wohnbau im Jahresdurchschnitt um 3,2 Prozent zugelegt haben. Gegen Jahresende haben dann auch die Baukosten mit der zunehmenden Materialknappheit und den hohen Rohstoffkosten deutlich angezogen. „Im ersten Quartal 2021 sind die gesamten Baukosten im Wohnbau bereits um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen und damit rascher als die Baupreise mit 3,7 Prozent. Ein Hinweis, dass die Gewinne der Unternehmen trotz guter Baukonjunktur unter Druck geraten“, sagt Wolf.

Handelsjahr 2021 verläuft in unterschiedlichem Tempo

Der Kfz-Handel sollte sich vom hohen Umsatzrückgang im Jahr 2020 von 11 Prozent nominell im laufenden Jahr großteils erholen können. Zuletzt haben sich die Neuzulassungszahlen im März und April im Vorjahresvergleich fast verdoppelt, blieben aber unter den Ergebnissen aus 2019. Allerdings ist die Zahl der Konsumenten, die noch 2021 ein neues Auto kaufen wollen, im zweiten Quartal wieder leicht gestiegen.

Der Großhandelsumsatz schrumpfte 2020 insgesamt um 7 Prozent nominell, am stärksten im Rohstoffhandel und bei einzelnen Konsumgütersparten, u. a. im Lebensmittelhandel. Anfang 2021 bremsen weiterhin viele pandemiegeschädigte konsumnahe Sparten die Großhandelskonjunktur, während die dynamische Industriekonjunktur im Produktionsverbindungshandel in den nächsten Monaten das Wachstum beschleunigen sollte.

Die Geschäftserwartungen der Einzelhändler sind im April überwiegend pessimistisch geblieben. Wahrscheinlich gewinnt der gesamte Einzelhandel erst in der zweiten Jahreshälfte stärker an Schwung, unter der Voraussetzung, dass keine weiteren pandemiebedingten Einschränkungen notwendig werden. In den ersten Monaten 2021 verbuchte nur der großflächige Lebensmittelhandel höhere Zuwächse. Die Sparte sorgte schon 2020 für ein leichtes Umsatzplus im Einzelhandel von 0,1 Prozent nominell.

Das Branchenklima im Dienstleistungssektor klart weiter auf

Im April ist die Zahl der Dienstleistungsunternehmen, die mit Nachfragezuwächsen in den nächsten Monaten rechnen, weiter gestiegen. Nachdem der Sektor (ohne öffentliche und soziale Dienste) 2020 einen Umsatzrückgang von 15,6 Prozent verbuchte und vermutlich auch das erste Quartal 2021 mit einem Minus beendete, erholt sich die Dienstleistungskonjunktur langsam.

Die Nachfrageerwartungen verbesserten sich in den letzten Monaten auch in den tourismusnahen Branchen, im Verkehrsbereich, aber vor allem im Beherbergungs- und Gaststättenwesen, nicht zuletzt aufgrund der angekündigten kontrollierten Öffnung der Betriebe. Die massiven Umsatzeinbußen aus 2020, die von 33 Prozent in der Beherbergung und Gastronomie sowie der Sparte Kino und Filmvertrieb bis über 70 Prozent in der Luftfahrt reichen, können aber erst frühestens 2022 ausgeglichen werden.

Im April sind die Nachfrageerwartungen der Unternehmen zwar in den meisten Dienstleistungssparten optimistischer geworden. Im Wachstumsbereich lagen die Erwartungen aber nur bei den Paketdiensten, im IT-Service, einigen freiberuflichen Dienstleistungssparten, der Werbung und Sparten, die ihre Aufträge im Wesentlichen aus dem Produktionssektor bekommen. Dazu zählen die Lagerhaltung und Speditionen sowie die Arbeitskräftevermittler. Trotz der Zuwächse werden zumindest die Werbung und Arbeitskräftevermittler, zwei größere Sparten in dem Bereich, das Umsatzminus aus dem Vorjahr von 11 bzw. 16 Prozent im Jahr 2021 nur zum Teil ausgleichen können.

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Günter Wolf, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41954;
E-Mail: guenter.wolf@unicreditgroup.at

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