UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator: Rezession läuft aus, Erholung setzt ein

Rezession läuft aus, Erholung setzt ein

 

·       Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im März auf 1,5 Punkte und liegt damit erstmals seit einem Jahr wieder im positiven Bereich

·       Nach einem erneuten Rückgang des BIP im ersten Quartal 2021 setzt mit dem Frühjahr die Konjunkturwende ein

·       Globaler Aufschwung unterstützt Erholung des Konsums und der Investitionstätigkeit als treibende Kräfte des Aufschwungs ab dem zweiten Halbjahr

·       „Jahr der Erholung aus der Coronakrise”: Beschleunigung des Wirtschaftswachstums 2022 auf 5,7 Prozent erwartet, nach einem BIP-Anstieg von 2,6 Prozent 2021

·       Vorübergehender Inflationsanstieg auf über 2,5 Prozent ab Spätsommer aufgrund der Rohstoffpreise und stärkerer Nachfrage nach einigen Dienstleistungen, doch keine dauerhafte Gefahr hoher Inflation

·       Schrittweise Verbesserung am Arbeitsmarkt verringert Arbeitslosenquote 2021 auf durchschnittlich 9,2 Prozent bzw. 8,4 Prozent 2022

 

 

Trotz der Verschärfung der Lockdown-Bestimmungen hat sich die Konjunkturstimmung in Österreich mit Frühlingsbeginn stark verbessert. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im März auf 1,5 Punkte. Angeführt von der anhaltenden Erholung in der Industrie wurde die Aufwärtsentwicklung in diesem Monat von allen Wirtschaftssektoren getragen. Erstmals seit einem Jahr liegt der Indikator wieder im positiven Bereich und signalisiert damit ein Auslaufen der Rezession, die mit der zweiten Infektionswelle im Spätherbst 2020 eingesetzt hat”, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Erneuter BIP-Rückgang zu Beginn 2021

Im Durchschnitt des ersten Quartals liegt der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator trotz der aktuellen Verbesserung allerdings noch knapp im negativen Bereich, jedoch deutlich über dem Wert des Schlussquartals 2020. „Die österreichische Wirtschaftsleistung ist im abgelaufenen Quartal zwar erneut gesunken. Mit knapp über 1 Prozent zum Vorquartal sollte der Rückgang von Jänner bis März jedoch geringer als zum Jahresende 2020 ausgefallen sein. Während die Industrie mit internationaler Unterstützung auf Wachstumskurs zurückgekehrt ist, waren viele Dienstleistungsbranchen, wie der Tourismus, der Handel und persönliche Dienste, im ersten Quartal 2021 mit noch größeren Herausforderungen konfrontiert”, meint Bruckbauer. Während die Rezession im Frühling ein Ende gefunden haben dürfte, liegt die Wirtschaftsleistung aktuell noch klar hinter dem Vorjahr zurück. Der Rückstand hat sich allerdings im Vergleich zum Winter verringert, zumal das erste Quartal 2020 bereits von der beginnenden Coronakrise gekennzeichnet war.

Rezession läuft im Frühjahr aus

Angesichts der Verschärfung des Lockdowns in der Ostregion rund um Ostern fiel die Verbesserung der Konjunkturstimmung im März überraschend kräftig aus. Dies ist stark auf den anhaltenden Rückenwind für die heimische Industrie durch die globale Erholung zurückzuführen. Angetrieben vom Aufschwung im asiatischen Raum und der Erholung in den USA hat sich die mit den österreichischen Handelsanteilen gewichtete internationale Industriestimmung auf den höchsten Wert seit drei Jahren verbessert. Mit dem günstigeren Wetterbedingungen hat sich bei anhaltend solider Auftragslage auch der Optimismus am Bau erneut gesteigert.

„Während sich der Aufschwung in den Produktionsbereichen erwartungsgemäß im März fortgesetzt hat, verbesserte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor überraschend stark und trug entscheidend zum kräftigen Anstieg unseres Konjunkturindikators bei. Die zwischenzeitlichen Lockerungen im Handel und bei persönlichen Dienstleistungen haben in Kombination mit den Impffortschritten auch das Konsumentenvertrauen positiv beeinflusst”, so Bruckbauer. Auch die langsame Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt hat die Konjunkturstimmung in Österreich aufgehellt.

Nach schwachem Start beschleunigte Erholung im zweiten Halbjahr zu erwarten

Trotz der Verlängerung des Lockdowns in den östlichen Bundesländern ist für das zweite Quartal 2021 keine Fortsetzung der Rezession der österreichischen Wirtschaft mehr zu erwarten. Der Beginn der Erholung wird angesichts der im Vergleich zum Frühjahr 2020 geringeren Effiizienz der Lockdownmaßnahmen seit Herbst, die längere Beschränkungen erwarten lassen, noch relativ verhalten ausfallen – zumal die Durchimpfung der Bevölkerung mit geringerem Tempo vorankommt als geplant.

„Im zweiten Quartal 2021 wird die österreichische Wirtschaft auf einen Wachstumspfad einschwenken, gestützt auf den Konsum, der von Nachholeffekten in den besonders stark beeinträchtigten Branchen wie dem Tourismus und dem Handel profitieren wird. Unter der Annahme, dass es gelingt das Impftempo zu erhöhen und in weiterer Folge kaum neuerliche einschneidende Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie notwendig werden, sollte das zweite Quartal 2021 damit am Beginn einer dauerhaften Erholung der heimsichen Wirtschaft stehen, die sich im zweiten Halbjahr kräftig beschleunigen sollte”, meint Bruckbauer. Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria erwarten für 2021 nach dem schwachen Start noch ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent.

Erholungsjahr 2022

„Für 2022 erwarten wir einen deutlichen Anstieg des BIP um fast 6 Prozent und damit das stärkste Wirtschaftswachstum seit rund 50 Jahren. Das Jahr 2022 wird damit das Jahr der Erholung aus der Coronakrise sein”, so Bruckbauer. Die Erholung in Österreich wird auch im kommenden Jahr viel Rückenwind durch den globalen Wirtschaftsaufschwung erhalten, mit positiven Impulsen für die exportorientierte Industrie. Neben der Exportwirtschaft wird 2022 aber voraussichtlich vor allem die Inlandsnachfrage die treibende Kraft der Erholung sein, gestützt auf jene Dienstleistungsbereiche, die von der Krise besonders stark betroffen waren, wie der Tourismus, das Gastgewerbe und der Handel. Allerdings werden auch in diesen Bereichen anfangs noch einige Herausforderungen bestehen, was das Tempo des Aufholprozess begrenzen wird. Während die gesamte Wirtschaftsleistung in Österreich im Verlauf des Jahres 2022 über das Vorkrisenniveau ansteigen wird, dürfte diese Marke in vielen Dienstleistungsbranchen, unter anderem im Tourismus, Ende 2022 noch nicht erreicht werden.

EZB setzt unterstützende Geldpolitik fort

Damit wird die österreichische Wirtschaft, im Gleichschritt mit den meisten Ländern des Euroraums, im Vergleich zum besonders hohen Erholungstempo in den USA zurückfallen, für die bereits für 2021 ein BIP-Anstieg um über 6 Prozent erwartet werden kann. Die Sorge um ein weiteres Aufgehen der Lücke begründet sich insbesondere mit der fiskalpolitischen Ausrichtung. Während die US-Regierung ein Konjunkturpaket von 1.900 Milliarden US-Dollar auf den Weg bringt, werden in vielen Ländern Europas, auch in Österreich, die fiskalischen Impulse gegenüber dem Jahr 2020 zurückgenommen.

„Die Geldpolitik der EZB wird in den kommenden beiden Jahren unverändert unterstützen. Die EZB hat die Wertpapierkäufe kürzlich erhöht, um die europäischen Renditekurven vor dem Ausverkauf von US-Treasuries zu schützen und eine vorzeitige Verschärfung der Finanzierungsbedingungen zu vermeiden. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass das Wertpapierkaufprogramm PEPP über März 2022 hinaus erweitert wird, zumal keine Gefahr einer stark und dauerhaft steigenden Inflation besteht”, so Bruckbauer.

Die Inflation befindet sich seit Jahresbeginn in einem Aufwärtstrend, der durch höhere Energiepreise und Basiseffekte begünstigt wird. Die höheren Preise für Rohstoffe sowie die aktuellen Spannungen in den Lieferketten sorgen für einen Preisdruck in der Industrie bei einer mittlerweile recht kräftigen Nachfrage. Im Gegensatz dazu ist die Inflation im Dienstleistungsbereich angesichts einer gedämpften Nachfrage vorerst noch verhalten.

„Wenn die Wirtschaft anspringt und sich der Nachholbedarf der Konsumenten entlädt, werden die Preise in den am stärksten von der Pandemie betroffenen Sektoren, wie dem Gastgewerbe oder den persönlichen Diensten vergleichsweise schnell steigen. Ein solcher Preisansstieg wird jedoch voraussichtlich nur vorübergehend sein, da nach dem starken wirtschaftlichen Einbruch durch die Pandemie die gesamtwirtschaftliche Nachfrage das gesamtwirtschaftliche Angebot noch auf lange Zeit nicht übersteigen wird. Wir erwarten im Jahresdurchschnitt 2021 eine Teuerung von 2,2 Prozent mit Höchstwerten über der Marke von 2,5 Prozent ab dem Spätsommer. Für 2022 gehen wir wieder von einer Verlangsamung der Inflation auf durchschnittlich 2,0 Prozent aus, zumal der treibende Basiseffekt des Ölpreises voraussichtlich wegfallen wird”, so Bruckbauer.

Leichte Entspannung am Arbeitsmarkt setzt sich fort

Die Arbeitslosigkeit ist im ersten Quartal trotz des Lockdowns saisonbereinigt auf durchschnittlich 9,3 Prozent gesunken, nach noch 9,9 Prozent im Gesamtjahr 2020. „Im Verlauf des zweiten Quartals dürfte sich die positive Entwicklung am heimischen Arbeitsmarkt fortsetzen, gestützt auf den anhaltenden Aufschwung in der Industrie und die solide Entwicklung am Bau. Vor allem wird sich die Lockerung der Pandemiebekämpfungsmaßnahmen in vielen Dienstleistungsbereichen in den kommenden Monaten günstig auswirken. Ein zwischenzeitlicher erneuter Anstieg der Arbeitslosenquote könnte nach unserer Einschätzung durch die Verlängerung der Kurzarbeitsregelungen ausschließlich für besonders betroffene Branchen über die Jahresmitte 2021 hinaus verhindert werden”, so Bruckbauer.

Trotz der stärker einsetzenden Erholung in der zweiten Jahreshälfte wird die Entspannung der Lage am Arbeitsmarkt vorerst noch verhalten ausfallen. Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria erwarten für 2021 einen Rückgang der Arbeitslosenquote auf 9,2 Prozent, der sich 2022 mit der stärkeren Erholung auf 8,4 Prozent beschleunigen sollte. Dennoch wird die Situation am Arbeitsmarkt Ende 2022 noch deutlich angespannter als vor der Coronakrise sein, während dagegen die Wirtschaftsleistung das Vorkrisenniveau bereits überschritten haben dürfte. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass die Erholung von der kapitalintensiveren Industrie angeführt wird und zum anderen die Unternehmen der Steigerung der Produktivität verstärkt Priorität einräumen.

Rückfragen:          UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
                               Stefan Bruckbauer, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41951;
                               E-Mail: stefan.bruckbauer@unicreditgroup.at

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